Gründung Heiligenstadts - Heiligenstadt im Eichsfeld

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Gründung Heiligenstadts

Stadtgeschichte
Während das Gebiet des Eichsfeldes in den Höhenlagen erst sehr spät besiedelt wurde, ist im Tal der Leine und der Geislede eine Besiedlung schon früh nachweisbar. Ausgrabungsfunde wurden aus der Steinzeit 2000 bis 1000 Jahre vor der Zeitrechnung im Leinetal und im Eichsfelder Kessel gemacht, auch Funde aus der Bronzezeit bestätigen diese erste Besiedlung. Westlich von Heiligenstadt wurden Geräte aus der Stein- und Bronzezeit gefunden, die beweisen, daß Heiligenstadt an einer Stelle errichtet wurde, die als altes Grenz- und Durchgangsland schon damals von großer Bedeutung war. Im weiteren Verlauf wurden Eisenbarren und Schlacke in der Nähe Heiligenstadts gefunden. 1933 fand man in einer Mergelgrube östlich der Stadt ein keltisches Hockergrab sowie Herdstellen aus der Eisenzeit (um ca. 500 v.Chr.). In der Folgezeit wurden die Kelten von den Germanen verdrängt, es fand eine Vermischung der Bevölkerungsgruppen statt.
Mit dem Untergang des Thüringischen Reiches im Jahre 531 kam Heiligenstadt und das Obereichsfeld unter fränkische Herrschaft. In der Schlacht an der Unstrut besiegten die Frankenkönige Theuderich I. und Chlothar I. im Bund mit den Sachsen den König von Thüringen, Herminafrid. In diese Zeit fällt die Gründung des fränkischen Königshofes auf dem Berg neben der Martinskirche. König Dagobert II. (652 - 679) wurde mit dem Königshof in Verbindung gebracht. 719 begann in Thüringen die Christianisierung mit Bonifatius. Heiligenstadt kam an den Mainzer Erzbischof. Der Nationalheilige des Erzbistums war der Heilige Martin, deshalb gehen viele Kirchennamen im Eichsfeld auf den Namenspatron zurück. Die Heiden setzten Martin mit ihrem Gott Wodan gleich. Der Königshof in Heiligenstadt wurde Zentrum und Verwaltungssitz. Zum Schutz wurde auf der Elisabethhöhe im 8. Jahrhundert eine rechteckige Wallburg errichtet. Mit Heinrich I. wurde ein Sachse 919 König. Zwei ottonische Kaiser weilten in Heiligenstadt, am 23. November 973 stellte Otto II. eine Urkunde hier aus, die zugleich die Stadt erstmals urkundlich erwähnt. Am 20. Januar 990 urkundete Otto III. zweimal in Heiligenstadt: In einer Urkunde schenke er die nördliche Zehnt des Eichsfeldgaues und damit Heiligenstadt dem Mainzer Erzbischof Willigis. Der bekannteste Kaiser Friedrich I. Barbarossa stellte „zu Heiligstat“ gleich zwei Urkunden aus, und zwar am 29. Mai 1153 und am 20. Januar 1169.
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Über die Gründung Heiligenstadts ranken sich verschiedene Sagen:

König Dagoberts heil

"Des Eichsfelds Hauptstadt heißt Heiligenstadt, und über das ganze Land weht es wie Weihrauchduft, klingt es wie Klosterglocken. Der Stadt und dem Lande webt die Sage manch güldnen Heiligenschein. Das rührt aus frühen, frühen Zeiten her. Der Frankenkönig Dagobert ward in seinem Alter von schlimmer Krankheit befallen, dem Aussatz, übertrug die Regierung seinem Sohne und treuen Räten und zog mit seiner Gemahlin in die Ferne, zu suchen, ob er Heilung fände.
Da kam er auf das Eichsfeld und lebte allda verborgen vor dem Auge der Menschen in einer Einöde, erbaute sich da einen Wohnsitz und diente Gott in einer Kapelle, die er der heiligen Jungfrau und Sankt Petrus weihte. Die Zeit, die König Dagobert nicht im Gebet zubrachte, vertrieb er sich mit der Jagd, und auf einem seiner Jagdgänge ward er von so großer Müdigkeit befallen, daß er sich in das Gras niederlegte und alsbald entschlief. Da der König erwachte, fand er das Gras stark betaut, aber alle Teile seines Körpers, welche der Tau benetzt hatte, waren zu seiner großen Freude heil vom Aussatz und rein wie die Haut eines jungen Kindes. Da eilte er fröhlich zu seiner Gemahlin und kündete ihr das Wunder, und sie riet ihm, sich noch öfters an jener Stelle in das taufeuchte Gras zu legen, und so wurde er ganz heil. Und da sprach er: Wahrlich, hier ist der Heilung und der Heiligen Statt!
Und darauf ward dem König durch einen Traum offenbart, daß an jener Stelle die Heiligen Aureus und Justinus begraben lagen. Diese Heiligen waren zu des König Etzel Zeiten zu Mainz gefangen worden, durch göttliche Hülfe aber entkommen und hatten ihren Weg nach dem Eichsfeld genommen. Ein Präfekt des Attila folgte ihnen nach, fing sie zu Rusteberg und tat ihnen alle erdenklichen Martern an, um sie zum Rückfall in das Heidentum zu bewegen. Das war aber vergebens. Stachelschuhe verletzten die standhaften Christen nicht, glühend gemachte und ihnen aufgesetzte Helme fielen alt zu Boden. Wilde Tiere schonten die mit Ketten an Bäume Gefesselten, denn es brannten Kerzen vor ihnen und stiegen Engel vom Himmel, die mit ihnen beteten. Endlich ließ der Präfekt die frommen Martyrer enthaupten und ihre Leiber im Walde verscharren. König Dagobert ließ nun an der Stätte seiner Heilung ein Münster erbauen und ordnete einen Propst und zwölf Chorherren hinein, nannte den Ort Heiligenstadt und ordnete das Münster dem Bischofsitz Mainz unter, unter welchem auch die nach und nach entstehende Stadt dieses Namens beständig blieb. Noch heißt die Stätte, wo Dagobert gewohnt hat, die alte Burg."
Königspfalz im Bergkloster Heiligenstadt
Quelle: http://www.zeno.org/Literatur/M/Bechstein,+Ludwig/Sagen/Deutsches+Sagenbuch/440.+K%C3%B6nig+Dagobert+heil
Carl Duval schreibt 1845 in seiner Beschreibung über Heiligenstadt:

"Die ersten Nachrichten aber, die wir von Heiligenstadt finden, teilt uns eine alte Legende mit, welche uns Folgendes berichtet:
Es lebte einstmals ein mächtiger, fränkischer König, Namens Dagobert (+ 638). Nach einer langen und glücklichen Regierung - denn er hatte große Eroberungen gemacht - wurde er vom Aussatze befallen, weshalb er die Regierung seinem Sohne und einigen tüchtigen Räten übertrug und mit seiner Gemahlin in die Ferne zog, mit dem festen Entschlusse, nicht eher wieder zurückzukehren, als bis er von seiner Krankheit befreit sein würde. Lange irrte er umher, ohne die ersehnte Hilfe zu finden, und kam auch endlich auf das Eichsfeld. Hier fand er eine abgeschiedene Gegend und beschloß, sich in derselben bis zu seiner Heilung aufzuhalten und vor den Augen der Menschen zu verbergen und erbaute deshalb an der Stelle, welche die Bewohner von Heiligenstadt jetzt „die alte Burg“ nennen, eine Wohnung und eine Kapelle zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria und des heiligen Petrus. Da die Umgegend in damaliger Zeit mit großen, dichten Waldungen, in denen sich viel Wild befand, bedeckt war, so suchte er sich in seinem Leiden oft durch die Jagd zu erheitern, wurde aber einstmals auf einer seiner Streifereien von einer so unwiderstehlichen Müdigkeit befallen, daß er sich in das Gras warf, wo er sogleich entschlummerte.
Als er wieder erwachte, war das Gras vom Thau ganz feucht, doch wurde er zu seiner unaussprechlichen Freude gewahr, daß an den Stellen, wo ihn der Thau benetzt hatte, der Aussatz gänzlich verschwunden war. Freudig eilte er zu seiner Gemahlinn und verkündete ihr das Wunder und diese theilte seine Freude, rieth ihm aber, sich an derselben Stelle noch einmal in das bethaute Gras zu legen, welchem Rathe denn auch Dagobert ungesäumte Folge leistete und dadurch auch wirklich von seiner abscheulichen Krankheit ganz und gar befreit wurde. Mit dankerfüllten Herzen erhob er sich von der Stätte, wo er Rettung gefunden hatte und sprach: „Wahrlich, entweder liegen hier Heilige oder der Ort ist heilig!“ - und begab sich, darüber nachsinnend, hinweg, hatte aber später eine göttliche Offenbarung, daß an jener Stelle die Heiligen Aureus und Justinus begraben lagen, was ihn veranlaßte, sie heilig sprechen und an dem Orte , wo sie ruhten, eine Stiftskirche erbauen zu lassen, welche er mit einem Propste und zwölf Chorherren besetzte. Da sich nun in der Nähe dieser Kirche bald mehrere Leute ansiedelten, so entstand, namentlich durch Hilfe der Bauern des dicht  bei der Stiftskirche gelegenen Dörfchens Zuenchen, ein Ort, welchen man, da die Gebeine der Heiligen Aureus und Justinus in demselben ruhten und die Veranlassung zur Ansiedelung gegeben hatten, Heiligenstadt nannte."
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